Eine Siedlung, dem Rhein abgerungen
Stürzelberg entstand als Rodungssiedlung während der hochmittelalterlichen Landausbauphase — jener Zeit, in der die bis dahin siedlungsfreien Niederungen des Rheinstroms erschlossen wurden. Wer hier baute, baute auf feuchtem, hochwassergefährdetem Grund.
Im Jahr 1251 wird ein Hof erstmals erwähnt, der vermutlich am Fuße der hochwasserfreien Anhöhe des Kapellenbergs stand. Dieser Gnadentaler Hof gehörte wohl schon damals dem Zisterzienserinnenkloster Gnadental in Neuss. 1440 wurde er auf zwölf Jahre verpachtet — gegen jährlich elf Malter Roggen und ebenso viel Hafer.
Der Rittersitz Heckhof, südöstlich des heutigen Ortes gelegen, gehörte dagegen als Manngut der Benediktinerabtei St. Heribert in Deutz. Er ist seit 1389 urkundlich belegt.
Der Ortsname selbst taucht 1345 zum ersten Mal auf — als Beiname eines Zonser Schöffen: de Sturzelberg.

Historische Karten zeigen Stürzelberg als kleine Ansammlung von Höfen. Gemeinsam mit einem Teil des Dorfes Horrem gehörte der Ort zu Stadt und Amt Zons — eine Zugehörigkeit, die erst mit der kommunalen Neugliederung 1975 endete. Seither ist Stürzelberg ein Stadtteil von Dormagen.
Der historische Abriss entstand in Zusammenarbeit mit dem Historiker Jost Auler.
Als Pferde die Schiffe zogen
Am Fuße der Stürzelberger Unter- und Oberstraße entlang wurden vom Mittelalter bis etwa 1860 niederrheinische und holländische Frachtschiffe getreidelt: An Leinen, die am Mast befestigt waren, zogen Pferde die Schiffe stromaufwärts. Getrieben wurden sie über den Leinpfad — im Rheinischen der Lingepad.

Das Treideldenkmal
Am 1. Mai 2001 wurde auf dem Dorfplatz das Treideldenkmal eingeweiht — eine bronzene Erinnerung an jene Zeit. Es ist ein Denkmal, wie es am Niederrhein kein zweites gibt.

Möglich gemacht hat es die Bürgerinitiative „pro Stürzelberg“, für die das Denkmal der krönende Abschluss ihrer jahrelangen Bemühungen um einen Dorfplatz war. Es ist, mit den Worten der Chronik, „etwas gelungen, auf das Stürzelberg mit Recht stolz sein darf“.

Text und Bilder zum Treideldenkmal: Heinz Eul.
Der Ständebaum — 17 Meter Dorfgemeinschaft
2002 fassten der Löschzug Stürzelberg der Freiwilligen Feuerwehr und das Bundes-Tambourcorps 1887 einen Entschluss: Statt wie bisher einen Maibaum hinter dem Gerätehaus aufzustellen, sollte mitten auf dem Dorfplatz ein Ständebaum stehen.
Die Maße standen früh fest: 17 Meter hoch, 29 Schilder — 24 Zunftzeichen der örtlichen Handwerker, dazu das Stürzelberger Wappen, das Wappen der Schützenbruderschaft, der heilige Aloysius als Schutzpatron der Pfarrkirche gegenüber, und die Embleme der beiden Vereine, die den Baum errichteten. Obenauf ein Wetterhahn, im Advent ein beleuchteter Stern, im Mai ein Maikranz.
Am 1. Februar 2003 wurde das Fundament ausgehoben — und wie es in Stürzelberg so üblich ist, stand die Hilfe schnell bereit: Ein Mitbürger kam spontan mit seinem Bagger. Der 17 Meter lange Mast wurde in einer Zonser Werkstatt zusammengesetzt, für den Transport mussten Straßen gesperrt werden, ein Autokran hob ihn ins Fundament. Am 1. Mai 2003 stand der Baum.
Finanziert wurden die Zunftschilder von den Handwerkern des Ortes, alles Übrige von Feuerwehr und Tambourcorps — dazu unzählige unentgeltliche Arbeitsstunden. 2016 wurde der Ständebaum von denselben beiden Vereinen generalüberholt und neu gestrichen.

Chronik des Ständebaums: Udo Stamm, 2003.
Auf einen Blick
- 1251Erste Erwähnung des Gnadentaler Hofs am Fuß des Kapellenbergs
- 1345„de Sturzelberg“ — der Ortsname taucht erstmals urkundlich auf
- 1389Der Rittersitz Heckhof wird erstmals belegt
- 1586Franz Hogenberg zeichnet „Sturmelberg“ auf seiner Karte
- bis ~1860Frachtschiffe werden von Pferden am Leinpfad rheinaufwärts getreidelt
- 1975Kommunale Neugliederung — Stürzelberg wird Stadtteil von Dormagen
- 2001Das Treideldenkmal auf dem neuen Dorfplatz wird eingeweiht
- 2003Feuerwehr und Tambourcorps stellen den 17 Meter hohen Ständebaum auf
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